Langfristige Sanierungsstrategien

Werden bei der Kanalinspektion Schäden in den Abwasserleitungen bzw. in den Schächten festgestellt, werden diese von den Stadtwerken ausgewertet und in ein Sanierungskonzept eingearbeitet. Im Sanierungskonzept werden die einzelnen Sanierungsverfahren für die entsprechenden Schäden festgelegt. Dabei müssen neben dem reinen Schadensbild noch mehrere Gesichtspunkte, wie die Lage und das Alter des Kanals, berücksichtigt werden. Dies bedarf einer gewissen Qualifikation und Erfahrung in diesem Gebiet, denn nicht jedes Verfahren ist für jeden Schaden geeignet und sinnvoll.

Um die Sanierung so wirtschaftlich wie möglich durchzuführen, werden im Sanierungskonzept die voraussichtlichen Kosten für die Sanierung ermittelt. So können die benötigten Finanzmittel auf die nächsten Jahre im Voraus abgeschätzt werden.

Sanierungsstrategien

Generell gibt es unterschiedliche Strategien die beim Unterhalt bzw. beim Erhalt des Kanalnetzes betrieben werden können, wobei die Stadtwerke Geretsried sich der Variante zwei verschrieben haben.

1. Die "Feuerwehrstrategie"

Ein Kanal wird solange betrieben bis er nicht mehr funktioniert, das heißt man saniert erst dann, wenn es nicht mehr anders geht. Dies scheint vielleicht auf den ersten Blick ein sinnvolle und wirtschaftliche Vorgehensweise zu sein, entpuppt sich aber hinterher meist als eine sehr teure Variante. Ist die vorhandene Infrastruktur die das Kanalnetz darstellt erst mal zerstört, wird es sehr teuer diese wieder herzustellen. Von den entstehenden Umweltschäden einmal ganz abgesehen.

2. Eine vorausschauende, nachhaltige Sanierungsstrategie

Hiermit ist gemeint, dass man mit angemessenen Mitteln und Sanierungsverfahren rechtzeitig Schäden im Kanalsystem saniert. Bei dieser Strategie versucht man die vorhandene Infrastruktur (Substanz) zu erhalten. Man saniert rechtzeitig auch kleinere Schäden und wartet nicht bis zum völligen Versagen des Systems ab. Dadurch kann man sich größere Folgeschäden ersparen. Die Sanierung bleibt planbar, das heißt man steht nicht am Ende vor einem riesigen Investitionsberg der dann keinen Aufschub mehr erlaubt.

Warum ist eine vorausschauende Sanierung so wichtig ?

In Geretsried gibt es noch die Besonderheit, dass viele alte Kanäle, die teilweise noch aus der Rüstungszeit übernommen wurden, über Privatgrundstücke verlaufen. Die damals vorhandene Infrastruktur wurde teilweise übernommen, was aus damaliger Sicht durchaus nachvollziehbar war. Heute bereiten uns diese Kanäle aber große Probleme. Das Stadtgebiet wurde im Laufe der Jahre immer weiter verdichtet, große Grundstücke wurden geteilt und mit weiteren Gebäuden versehen. Neue Straßen und Wege wurden angelegt, kurz um, die Stadt Geretsried hat sich zu einer modernen Stadt weiter entwickelt.

Mit dieser Entwicklung wurden die Probleme bezüglich der alten Kanäle aber immer größer. Kanäle bzw. Schächte sind nicht mehr frei zugänglich und können nicht mehr ordnungsgemäß unterhalten werden. Teilweise wurden Kanäle und Schächte mit Gebäuden überbaut. Kommt es nun bei diesen Kanälen zu Problemen, z.B. Verstopfungen, Rohrbrüchen usw., ist eine Beseitigung nur sehr schwer und mit großem Aufwand möglich.

Vom Privatgrund in die Straße!

Aus diesem Grund versuchen die Stadtwerke seit Jahren die Kanäle, die über Privatgrund verlaufen, soweit möglich und sinnvoll still zu legen und durch neue Kanäle im öffentlichen Straßengrund zu ersetzen. Leider bedeutet dies für so manchen Grundstücksbesitzer, dass er sein Grundstück neu an den Kanal im öffentlichen Grund anschließen muss. Den Stadtwerken ist bewusst, dass dies teilweise mit hohen Kosten für den Grundstücksbesitzer verbunden ist. Ingesamt ist dies langfristig aber die richtige Strategie, da die Probleme nicht weniger werden und sich der Zustand der Kanäle mit der Zeit keinesfalls verbessern wird. Mit zunehmendem Alter der Kanäle steigt auch das Schadensrisiko an.

Beispiele für Probleme

Verstopfung

Die damals verwendeten Materialien, sowie generell alle Materialien, unterliegen einem ständigen Alterungsprozess. Dichtungen werden spröde und somit undicht. Durch diese Undichtigkeiten wachsen Wurzeln in den Kanal, welche die Undichtigkeiten noch vergrößern. An den Wurzeln bleiben Feststoffe wie Toilettenpapier usw. hängen, was bis zum völligen Kanalverschluss führen kann (Thema Rückstausicherung). Der Kanal verläuft hinter Gebäuden und ist mit dem Spülfahrzeug nicht anfahrbar. Dies bedeutet, dass der Spül- und Absaugschlauch mit Hand über Zäune und Hecken zum Schacht transportiert werden muss. Jetzt kann aber nicht mehr mit voller Leistung gespült werden, da der Spülschlauch manuell zurückgezogen werden muss. (Wird normalerweise über eine sich am Fahrzeug befindliche Motorwinde gemacht.) Bei hartnäckigeren Verstopfungen wird die volle Leistung aber benötigt (was nun?)

Setzungen und Einsturz

Durch eine Lastumverteilung im Boden, hervorgerufen z.B. durch eine Baumaßnahme, bildet sich ein Riss im Rohr. Durch diesen Riss dringt bei hohen Grundwasserständen Grundwasser in den Kanal (Infiltration). Im Laufe der Zeit werden hierdurch die Feinteile in der Rohrbettungszone ausgeschwemmt, was zu einer Veränderung der Rohrbettungssituation und somit zu einer neuen Belastung des alten Rohres führt. Dadurch wird der Riss größer und es kommt zum Scherbenbruch, der bis zum Einsturz des Kanales führen kann. Befinden sich auf dem Kanal noch Gebäude kann es unter Umständen, durch den Zusammenbruch der Leitung, zu Setzungsschäden kommen. Vor allem stellt sich dann die Frage, was in einem solchen Fall zu tun ist. Das Abwasser kann in diesem Bereich nicht mehr abfließen und staut sich zurück. Mit schwerem Gerät kommt man nicht an die Schadstelle, da dort das Gebäude steht. Die Abwasserentsorgung der gesamten, oberhalb der Schadstelle liegenden, Entwässerungsgebiete kann nicht mehr gewährleistet werden. Um größere Rückstauschäden zu vermeiden, ist ein schnelles Handeln erforderlich. Aber wie?

Szenarios wie diese gibt es viele. Dies soll nur die möglichen Probleme, die auf die Stadtwerke und somit auch auf den einzelnen Bürger, sowohl in finanzieller Hinsicht (dann notwendige Gebührenerhöhung, da Reparaturen, sofern überhaupt möglich, sehr teuer werden können) wie auch in persönlicher Hinsicht (Abwasserentsorgung funktioniert über eine gewisse Zeit nicht mehr ordnungsgemäß) zukommen können, verdeutlichen. Die rechtlichen Aspekte mal ganz außer Acht gelassen.

Rechtzeitiges Handeln ist erforderlich!

Damit es zu solchen „Horrorszenarien“ nicht kommt versuchen die Stadtwerke die Abwasserentsorgung, durch rechtzeitiges stilllegen und ersetzen alter Kanäle durch neue Kanäle im öffentlichen Grund, auch für die Zukunft sicher zu stellen.

Dieses Stilllegen erfolgt natürlich nicht wahllos und willkürlich, da die finanziellen Auswirkungen auf einzelne Bürger, welche durch Umschlussarbeiten betroffen sind, nicht unbeträchtlich sein können. Bis zur Entscheidung für eine solche Maßnahme findet bei den Stadtwerken immer vorab ein umfangreicher Abwägungsprozess statt.

 

Gründe für Kanalsanierung

Neben der Substanzerhaltung, wie oben beschrieben, gibt es noch zwei wesentliche Gründe die eine Kanalsanierung zwingend erforderlich machen:

1. Verunreinigung des Grundwassers

Durch Undichtigkeiten in den Kanälen dringt Abwasser in das umgebende Erdreich und sickert ins Grundwasser. Aus dem Grundwasser beziehen wir aber unser Lebensmittel Nr. 1, das Trinkwasser. Deshalb muss es in unserem eigenen Interesse sein, das Grundwasser so gut wie möglich vor Belastungen bzw. Verunreinigungen zu schützen. Schon allein der Boden ist eine Lebensgrundlage, dessen Schutz in unserem ureigenen Interesse sein sollte.

Immer wieder wird uns das Argument entgegen gehalten, dass bei den Kanälen ein solch immenser Aufwand betrieben wird um diese dicht zu bekommen und in der unmittelbaren Nähe verteilen die Landwirte ihre Gülle auf den Feldern. Aber auch das Ausbringen von Gülle, sowie Dünger allgemein, unterliegt bestimmten Vorgaben und Verordnungen. Aufgrund des Boden- und Grundwasserschutzes darf nur eine gewisse Menge Dünger pro Fläche - und dies auch nur zu bestimmten Zeiten - auf die Felder aufgebracht werden. Teilweise ist die Düngung auch komplett verboten, z.B. in Wasserschutzgebieten. Hinzu kommt noch, dass sich in unseren Abwässern zunehmend Substanzen befinden, z.B. Reinigungsmittel, Lösungsmittel, pharmazeutische Stoffe, die nur sehr schwer oder zum Teil gar nicht biologisch abbaubar sind. Diese Stoffe reichern sich im Boden und Grundwasser an und machen dieses für den menschlichen Verzehr bzw. Gebrauch unbrauchbar.

Nach § 324 des Strafgesetzbuches (StGB) stellt die Verunreinigung von Gewässern (auch Grundwasser) sogar eine Straftat dar.

2. Überlastung der Kanalisation

Durch Undichtigkeiten in den Kanälen dringt Grundwasser in die Kanäle ein. Hierdurch kommt es, abgesehen von der rechtlichen Seite, zu teilweise folgenden massiven Problemen:

  • Da sich die Abwassermenge erhöht, kann es im Kanalsystem zu hydraulischen Überlastungen kommen. Vor allem die Pump- und Hebeanlagen im Kanalnetz werden zusätzlich belastet. Dies führt zu einer Erhöhung der Betriebskosten. Im Extremfall kann es lokal zum Rückstau, bzw. Austritt des Abwassers aus dem Kanalsystem und somit zu Überflutung kommen.
  • Die Abwassergebühren richten sich zu einem nicht unerheblichen Teil nach der zur Kläranlage abgeführten Abwassermenge. Das heißt die Abwassergebühren werden zusätzlich belastet.
  • Die hydraulische Belastung der Kläranlage steigt. Es kommt immer mehr durch Grundwasser verdünntes Abwasser in der Kläranlage an. Der Reinigungsaufwand erhöht sich, da der Wirkungsgrad der Abwasserreinigung ab nimmt. Die Folge ist eine weitere Erhöhung der Abwasserreinigungskosten.
  • Bei zu hoher hydraulischer Belastung in Verbindung mit verdünntem Abwasser kann es zu einer Verschlechterung der Reinigungswerte im Kläranlagenablauf, und somit zu einer zusätzlichen Belastung des Vorfluters (Loisach) kommen.
  • Kommt zu viel Abwasser in der Kläranlage an, muss zum Schutz der Anlage die Notentlastung geöffnet werden. Es kommt zum Abschlag von ungereinigtem Abwasser in den Vorfluter, und infolge dessen zu einer zusätzlichen Gewässerbelastung, wodurch ein rechtlicher Konflikt entsteht (§ 324 StGB Gewässerverunreinigung)
  • Mit dem Wassereintrag durch die Schadstellen in den Kanal werden auch die Feinteile der Rohrbettungszone mit in den Kanal gespült. Die Folge ist eine Lastumverteilung in der Leitungszone, mit der Gefahr einer weiteren Schädigung der Leitung. Dies kann bis zur völligen Zerstörung des Kanals führen.
  • Kommt zu viel Fremdwasser in der Kläranlage an und überschreitet die zulässige Fremdwassermenge hat dies zur Folge, dass der nach dem Abwasserabgabegesetz um 50 % ermäßigte Abgabesatz für die Einleitung des Kläranlagenablaufes in ein Gewässer nicht mehr angesetzt werden kann. Im Klartext heisst dies, dass die Kosten für die Einleitung des gereinigten Abwassers in den Vorfluter (in diesem Fall die Loisach) um das doppelte ansteigen. Dies würde eine deutliche Abwassergebührenerhöhung notwendig machen.

Generell gibt es mehrere Fremdwasserquellen:

- durch Fehlanschlusse der Dach- und Hofentwässerung an den Schmutzwasserkanal (satzungswidrig!)

- Anschluss von Drainagen an des Schmutzwasserkanal (satzungswidrig!)

- Eintrag von Grundwasser über undichte Kanäle, bzw. Schächte (satzungswidrig!)

- Abpumpen von Grundwasser zur Grundwasserabsenkung und Einleitung des Grundwassers in den   Schmutzwasserkanal. Eine Grundwasserabsenkung bedarf generell einer wasserrechltichen Genehmigung.

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